Zugegeben, als Autor geht mir schon das Messer in der Tasche auf, wenn ich die Rechtfertigungen von boox.to-Mitbetreiber »Spiegelbest« (Pseudonym) lese. Wie zumeist von Betreibern derartiger Filedienste wird von ihm völlig ignoriert, dass geistige Inhalte guter Qualität einen hohen Aufwand erfordern, viele Menschen von dessen Bezahlung leben, die kostenlose Verbreitung im Internet einfach nur Diebstahl ist und den an den Inhalten Mitwirkenden die Verdienstgrundlage entzieht. Auch wenn, unabhängig davon, die Preisforderungen der Verlage im E-Book-Bereich oftmals überzogen sind.

Auf die Frage »Wovon sollen Schriftsteller leben, wenn ihre Bücher im Internet für Centbeträge angeboten werden? Wer soll die Lektoren bezahlen? Oder die Buchgestalter?« gibt es von boox.to-Spiegelbest eine merkwürdige Antwort: »Es ist ein neuer Markt, der sich finden muss. Sie könnten mit derselben Berechtigung fragen, wovon Hufschmiede leben sollen, wenn Autos produziert werden.«

Leider geht es hier nicht um den Vergleich von Hufschmied und Autoproduzent - es handelt sich nicht um eine volkswirtschaftliche Strukturanpassung. Das Geschäftsmodell von boox.to stellt sich im Vergleich zur Autoindustrie vielmehr folgendermaßen dar: Raube die fertig produzierten Autos vom Hof und verschenke diese an die Mitbürger. Da boox.to als Räuber keine Kosten der Herstellung hat, können die Autos günstig für eine kleine Flatrate abgegeben werden. Ist das nicht großzügig? Innovativ? Modern? Ja, dem bösen Kapitalismus tritt endlich ein wackerer Held entgegen ...

Realititätsnäher und für Sie vielleicht verständlicher, lieber Spiegelbest, wäre folgende Fragestellung: »Wovon sollen Automobilproduzenten leben, wenn ihnen die Autos nach Produktion vom Hof geklaut und an die Menschen verschenkt werden? Wer zahlt die entstandenen Kosten? Wer vergütet die aufgewendete Zeit der Mitarbeiter?«

Ach ... ich übersehe ... Sie meinen ja, das wird sich finden. Na dann.

Teure E-Books

Dessen ungeachtet ist die Preispolitik einiger Verlage in meinen Augen zurecht verärgernd. Teilweise sehe ich Taschenbücher günstiger angeboten als deren E-Book-Pendant. Das nenne ich eine Diskriminierung der digitalen Lesegeräte. So etwas lässt sich im Netz nicht durchhalten und füttert das Interesse an Buchpiraten wie boox.to.

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